SABBATJAHR-RATGEBER

Couchsurfing: Auf fremden Sofas um die Welt reisen

Dass Reisen mitunter eine kostspielige Angelegenheit sein kann, ist kein Geheimnis. Während man in vielen Teilen der Welt gut von der sogenannten Geo-Arbitrage profitieren kann, müssen Reisende vor allem in Europa, Nordamerika und Ozeanien tief in die Tasche greifen. Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Sparmöglichkeiten, die Ihnen dabei helfen, Ihr Budget im Sabbatjahr möglichst zu schonen. Eine dieser Möglichkeiten – das Couchsurfing – wollen wir Ihnen in diesem Beitrag einmal genauer vorstellen.

Was ist Couchsurfing?

Couchsurfing ist eine spezielle Form des Reisens, die sich als Gegenbewegung zum kommerziellen Tourismus versteht. Couchsurfer checken nicht in teuren Hotelzimmern und Apartments ein, sondern bieten sich untereinander ihre Sofas zum Übernachten an – und zwar kostenfrei.

Es gibt verschiedene Plattformen im Internet, auf denen sich Couchsurfer organisieren und vernetzen können. Die bekannteste Plattform ist couchsurfing.com. Mit rund 12 Millionen Nutzern ist sie der weltweit größte Anbieter und für viele Couchsurfer die erste Adresse, wenn es darum geht, eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

Alternativen zu couchsurfing.com sind beispielsweise:

  • Hospitality Club: Die deutsche Couchsurfing-Plattform ist tatsächlich die älteste ihrer Art. Gründer Veit Kühne gilt als Erfinder des Couchsurfings. Die Seite ist leider sehr in die Jahre gekommen, hat dafür aber eine aktive Community.
  • BeWelcome: Diese Plattform wurde von ehemaligen Mitgliedern des Hospitality Clubs gegründet. Sie versuchen, alles, was ihnen dort nicht gefallen hat, besser zu machen. Die Community ist jedoch verhältnismäßig klein. Dementsprechend wenige Sofas stehen zur Verfügung.
  • Global Freeloaders: Während sich der Hospitality Club und BeWelcome vorrangig auf Europa fokussieren, sind die Global Freeloaders weltweit unterwegs. Vor allem Australien-Reisende sollten einen Blick auf diese Plattform werfen, wenn Sie auf der Suche nach einer kostenlosen Unterkunft sind.

Das sind die Vorteile vom Couchsurfing

Couchsurfing ist vor allem bei jungen Reisenden überaus beliebt, weil man hierdurch wirklich viel Geld sparen kann. Gleichzeitig ist das Übernachten auf fremden Sofas eine gute Gelegenheit, um einen intensiven Kontakt zu Einheimischen herzustellen.

Couchsurfer sind „von Haus aus“ extrem offen und gastfreundlich. Für sie versteht es sich von selbst, nicht einfach nur eine Schlafgelegenheit zur Verfügung zu stellen. Wenn sie einen anderen Couchsurfer beherbergen, dann ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, ihm auch ein bisschen was von der Stadt zu zeigen, gemeinsam auszugehen und/oder zu kochen.

Genau diese Offenheit des Netzwerkes führt dazu, dass Sie einen schnellen Zugang zu einer Stadt oder einer Region bekommen werden. Durch den Kontakt zu den Locals werden Sie nicht nur Ihre Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch Ihr Reiseziel mit völlig anderen Augen betrachten und noch viel intensiver kennenlernen. Für die meisten Couchsurfer ist dieser Vorteil noch viel wichtiger als das Sparen von Kosten. Es geht für sie um Völkerverständigung und interkulturellen Austausch – Aspekte, die eine Reise im Rahmen Ihres Sabbatjahres erst wirklich unvergesslich machen werden.

Das sind die Nachteile vom Couchsurfing

So gut es auch klingen mag, auf Reisen Geld zu sparen und in direkten Kontakt zu den Ortsansässigen zu treten – Couchsurfing bringt auch ein paar Nachteile mit sich.

Vor allem die größte Plattform couchsurfing.com hat in den letzten Jahren immer wieder negative Schlagzeilen gemacht, unter anderem wegen:

  • Datenschutzverletzung
  • Vergewaltigungen
  • Überfällen

Um den beiden letzten Punkten entgegenzuwirken, wurde vor einer Weile eine (optionale) Verifizierung der Profile eingeführt. Doch vor allem allein reisende Frauen haben nach wie vor häufig ein ungutes Gefühl – immerhin wissen sie nie genau, wer sich hinter dem Account verbirgt. Selbst das kleine Häkchen bietet keine eindeutige Gewissheit.

Hinweis: An dieser Stelle möchten wir Sie ausdrücklich darauf hinweisen, stets vorsichtig zu sein, Profile genau zu studieren und nachzufragen, falls Ihnen etwas komisch vorkommt. In den überwiegenden Fällen ist Couchsurfing eine tolle Möglichkeit des Reisens. Es besteht jedoch immer auch ein Restrisiko, an Menschen zu geraten, die die Plattformen für Straftaten ausnutzen wollen.

Weiterhin wird von vielen Couchsurfern bemängelt, dass nach der Kommerzialisierung der Plattform couchsurfing.com im Jahr 2011 der ursprüngliche Spirit verlorengegangen sei. Statt Freiheit und Abenteuer steht nun das Thema Geld im Mittelpunkt. Trotz der Veränderungen sind viele Nutzer dem Couchsurfen treu geblieben.

Ein letzter Nachteil vom Couchsurfing (der für manche durchaus ein Vorteil ist): Fremde Sofas werden meist nur für wenige Nächte zur Verfügung gestellt. Wer denkt, sich für längere Zeit für lau bei einem Local einnisten zu können, hat das Prinzip vom Couchsurfing nicht ganz verstanden. In diesem Fall ist es unter Umständen ratsam, sich über die Möglichkeit House Sitting zu informieren. 

Couchsurfing für Einsteiger: So werden Sie zum beliebten Übernachtungsgast

Falls Sie sich von den Nachteilen des Couchsurfings nicht abschrecken lassen und diese Form des Reisens einfach mal ausprobieren wollen, interessiert es Sie sicherlich, wie Ihnen der richtige Einstieg gelingt. Als Neuling in der Couchsurfer-Szene sollten Sie unter anderem diese Tipps im Hinterkopf behalten:

Legen Sie sich ein aussagekräftiges und der Wahrheit entsprechendes Profil auf der Plattform Ihrer Wahl an. Dieses bildet die Basis für alle Ihre zukünftigen Couchsurfing-Aktivitäten. Achten Sie darauf, dass Sie freundlich und sympathisch wirken, geben Sie aber auch nicht vor, etwas zu sein, was nicht stimmt. Authentizität ist der Schlüssel zum Couchsurfing-Erfolg.

Betrachten Sie Couchsurfing nicht ausschließlich als Möglichkeit, Geld zu sparen, sondern öffnen Sie sich für die unzähligen Begegnungen und zwischenmenschlichen Gewinne. Auf diese Weise profitieren letztendlich beide Parteien vom Couchsurfing.

Seien Sie bereit, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Hiermit ist nicht nur Ihre eigene Couch gemeint. Auch kleine Geschenke aus Ihrer Heimat, ein typisch deutsches oder Ihr Lieblingsgericht oder spannende Reisegeschichten festigen die Bindung zwischen Gastgeber und Gast und machen die Begegnung zu etwas Unvergesslichem.

Couchsurfing-Anfragen dürfen gern wie ein Bewerbungsschreiben verstanden werden. Das bedeutet unter anderem auch: Verzichten Sie auf Standard-Nachrichten und personalisieren Sie Ihre Anfrage stattdessen. Couchbesitzer wird es freuen, wenn sie erkennen, dass Sie ihr Profil bereits eingängig studiert haben und demnach ernstes Interesse an einer Übernachtung haben.

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber der Vollständigkeit halber soll auch dieser Tipp genannt werden: Seien Sie ein guter und respektvoller Gast. Das bedeutet beispielsweise, dass Sie Ihre Couch sauber und ordentlich verlassen, nichts kaputt machen, sich dem Gastgeber nicht aufdrängen und – egal, wie intensiv er sich um Sie „kümmert“ – dankbar sind.

Wenn Ihr Couchsurfing-Aufenthalt vorbei ist, gehört es zum „guten Ton“ innerhalb der Community, eine ausführliche, der Wahrheit entsprechende Bewertung Ihres Gastgebers auf der Plattform zu hinterlassen. Diese hilft zukünftigen Couchsurfern enorm bei der Auswahl einer passenden Unterbringung. Denken Sie außerdem immer daran, dass auch Sie von anderen Usern bewertet werden. Es lohnt sich also gleich doppelt und dreifach, einen guten Eindruck zu hinterlassen und sich nicht wie die Axt im Walde zu verhalten.

Auch wenn Couchsurfing durch die fortschreitende Kommerzialisierung viel von seinem ursprünglichen Charme eingebüßt hat, ist es doch noch immer eine besonders abenteuerliche Form des Reisens. Wer seine Gastgeber mit Bedacht aussucht und sich für den interkulturellen Austausch öffnen, kann sich auf viele spannende Begegnungen und hilfreiche Insider-Tipps von den Locals freuen. Dass Sie nebenbei noch die Übernachtungskosten sparen, ist ein toller Nebeneffekt, der allerdings für viele Couchsurfer in den Hintergrund rückt.

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