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Geo-Arbitrage: Was das ist und wie Sie es für Ihr Sabbatjahr nutzen können

Reisen? Gerne! Am liebsten weit weg und viel… wenn da doch nur nicht das Problem mit dem Geld wäre. Auch wenn alle Spar-Tipps und Travel-Hacks von den Profis beherzigt werden, ist Reisen früher oder später doch vor allem eines: Eine riesige Belastung für den Geldbeutel. Um das Maximale aus den Ersparnissen herauszuholen, nutzen viele Langzeitreisende das Prinzip der Geo-Arbitrage. Der Begriff ist vor allem in Backpacker- und Digital Nomad-Kreisen verbreitet, der allgemeinen Bevölkerung aber (noch) weitestgehend unbekannt. Lernen Sie in diesem Artikel, was die Geo-Arbitrage ist und wie Sie sie optimal für Ihr Sabbatjahr nutzen.

Arbitrage – Ein Begriff aus der Wirtschaft

Wenn Sie sich zum ersten Mal mit der Thematik Geo-Arbitrage auseinandersetzen, dann sind Sie sicherlich zunächst einmal über den eigentümlichen Begriff gestolpert. Arbitrage ist französisch und stammt vom lateinischen Wort arbitratus ab. Das wiederum bedeutet so viel wie „freie Wahl“ oder „freies Ermessen“.

Der Begriff kommt ursprünglich aus der Wirtschafts- und Finanzwelt und hat in diesem Kontext rein gar nichts mit dem Reisen zu tun. Im Gabler Wirtschaftslexikon wird er folgendermaßen definiert: „Börsengeschäfte, die Preis-, Kurs- oder Zinsunterschiede zwischen verschiedenen Märkten zum Gegenstand der Gewinnerzielung machen.“ (Quelle)

Mit anderen Worten: Es geht darum, mithilfe von lokalen Lohn- und Währungsunterschieden möglichst hohe Gewinne zu machen (beziehungsweise Geld zu sparen). Diese Erklärung lässt bereits ein Stück weit erahnen, was die wirtschaftliche Arbitrage mit der Geo-Arbitrage zu tun hat.

Was hat das mit meinem Sabbatjahr zu tun?

Nun gilt es natürlich, den Bogen von Börsengeschäften zu Ihrer beruflichen Auszeit in Form von einem Sabbatjahr zu schlagen. Überraschenderweise ist das gar nicht so schwer.

Wenn man sich einmal auf der Welt umschaut, so kann man schnell feststellen, dass in den verschiedenen Ländern teils erhebliche Preis- und Währungsunterschiede herrschen. Das wird unter anderem (und am einfachsten) deutlich, wenn Sie sich die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten anschauen. Während Posten wie Wohnung, Lebensmittel, Auto usw. hier in Deutschland verhältnismäßig viel Geld kosten, sind die Ausgaben dafür in Ländern wie Thailand oder Bali sehr viel geringer. Anderswo – zum Beispiel in Skandinavien – überschreiten sie das deutsche Niveau sogar.

Das Prinzip der Geo-Arbitrage nutzt die lokalen Unterschiede und sorgt dafür, dass Ihre Reise so günstig wie möglich wird. Vor allem digitale Nomaden und Auswanderer, die nicht nur reisen, sondern auch im Ausland arbeiten, profitieren maßgeblich vom Prinzip Geo-Arbitrage. Doch auch während Ihres Sabbatjahres kann das Modell dabei behilflich sein, ein paar kostbare Euro zu sparen und die Reise zu verlängern.

Welche Länder sind besonders geeignet?

Wer maximal vom Modell der Geo-Arbitrage profitieren will, ist im Osten von Europa, in Südamerika und in Südostasien im wahrsten Sinne des Wortes an der richtigen Adresse. Während Osteuropa eher gemäßigtes Interesse bei Reisenden weckt, halten Südamerika und Südostasien zahllose Destinationen bereit, die gerade extrem hoch im Kurs stehen und Bestandteil vieler Weltreisen sind.

Länder mit „guter“ Geo-Arbitrage (u.a.):

  • Thailand
  • Bali
  • Indien
  • Vietnam
  • Malaysia
  • Indonesien
  • Bolivien
  • Mexiko
  • Ecuador
  • Venezuela

Wie können sich manche Menschen so viele Reisen leisten?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher manche Menschen das Geld nehmen, um ständig auf Reisen zu sein? Es kommt einem nicht selten so vor, als würden sie sich viel öfter im Ausland aufhalten als in Deutschland. Des Rätsels Lösung lautet: Geo-Arbitrage!

Wer Euros oder Dollar verdient, aber Pesos oder Baht ausgibt, kann schnell einen überdurchschnittlich guten Lebensstil genießen. Tim Ferris beschreibt es in seinem Buch „Die 4-Stunden Woche“ (übrigens ein Standardwerk unter digitalen Nomaden) in etwa so: Sie führen das Leben eines Millionärs, obwohl Sie kein Millionär sind.

Tipp: Damit das Leben auf Reisen günstiger ist als das in Deutschland, müssen natürlich einige Vorkehrungen getroffen werden. So sollten Sie zum Beispiel laufende Verträge kündigen oder auf Eis legen und einen Zwischenmieter für Ihre Wohnung suchen (wenn Sie diese nicht gleich komplett aufgeben). Auch das Abmelden des Autos und die Anpassung verschiedener Versicherungen können zusätzlich Geld sparen.

Die Schattenseiten der Geo-Arbitrage

Wenn Sie beim Lesen dieses Beitrags ein etwas mulmiges Gefühl hatten, dann ist dieses durchaus berechtigt. Denn auch wenn das Prinzip der Geo-Arbitrage ziemlich verlockend klingt und auch zweifelsfrei ist, kann es doch nicht nur positiv bewertet werden.

Die unterschiedlichen Währungs- und Lohnniveaus auf der Welt sorgen nämlich nicht nur dafür, dass es uns gut geht, sondern auch dafür, dass andere Menschen weit weniger privilegiert sind. Die Geo-Arbitrage ist einer der Hauptgründe dafür, warum so viele europäische und nordamerikanische Unternehmen einzelne Aufgaben und ganze Geschäftsbereiche (allen voran die Produktion) nach Südostasien outsourcen. Weil dort ein weitaus geringeres Lohnniveau herrscht als hierzulande, werden Kleidung, Technik und Co. in Ländern wie Bangladesch, Indonesien, Thailand und Taiwan gefertigt. Dass die Angestellten in den großen Fabriken teils unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, ist längst kein Geheimnis mehr.

Weiterhin muss bedacht werden, dass das Prinzip der Geo-Arbitrage nur in eine Richtung funktioniert. Während wir von den geringen Lebenshaltungskosten in Fernost profitieren und schon unseren nächsten Trip in die exotischen Länder dieser Erde planen, ist es anders herum nahezu undenkbar, dass ein Thailänder oder Balinese eine Rundreise durch Europa macht. Er könnte sich eine solche Reise einfach nicht leisten.

Geo-Arbitrage ohne schlechtes Gewissen nutzen

Keine Sorge, es ist durchaus möglich, von der Geo-Arbitrage zu profitieren und trotzdem mit gutem Gewissen zu reisen. Wenn Sie in einem Land mit geringem Lohn- und Währungsniveau unterwegs sind, sollte es Ihre oberste Prämisse sein, Ihr Geld nur den Einheimischen zu geben (#supportthelocals). Meiden Sie westliche Hotel- und Restaurantketten, kaufen Sie Lebensmittel und Souvenirs direkt bei den Produzenten und verzichten Sie auf klassische (und kommerzialisierte) Touristenmagneten.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • (großzügige) Trinkgelder
  • Spenden an eine Organisation, die in dem Land aktiv ist
  • soziales Engagement vor Ort
  • Patenschaften
  • der respektvolle Umgang mit den Einheimischen

Tipp: Sie wollen gern wissen, wie Sie ein Land und seine Bewohner wirklich kennenlernen können? Dann empfehlen wir Ihnen diesen Beitrag. 

Das Konzept der Geo-Arbitrage soll an dieser Stelle keinesfalls verteufelt werden. Die unterschiedlichen Währungs- und Lohnniveaus in den einzelnen Ländern zum eigenen Vorteil zu nutzen, bedeutet schließlich nicht automatisch, die Geo-Arbitrage auszunutzen. Letztlich kommt es immer darauf an, dass Sie selbst ein gutes Gefühl haben und dem Land etwas auf Ihre Weise zurückgeben. Langzeitreisende werden bestätigen können, dass man Ihnen überall auf der Welt mit Dankbarkeit und Gastfreundschaft entgegentreten wird.

 

 

 

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