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Was tun bei einem Kulturschock?

Wer das Sabbatjahr nutzt, um zu reisen, entscheidet sich häufig ganz bewusst für weit entfernte Destinationen. Exotische Länder in Übersee, fremde Kulturen, neue Sprachen – all das und noch mehr übt einen besonderen Reiz auf viele Aussteiger aus. Kein Wunder also, dass Reiseländer in Südostasien, Lateinamerika und auch Afrika besonders beliebt sind. Doch in genau diesen – in unseren Augen exotischen – Ländern ist eine Gefahr besonders groß, nämlich die Gefahr, einen Kulturschock zu erleiden.

Was ist ein Kulturschock?

Ehe wir Ihnen verraten, wie Sie einen Kulturschock überwinden, wollen wir zunächst einmal klären, worum genau es sich dabei handelt beziehungsweise wie ein Kulturschock „entsteht“.

Jeder Mensch – egal, wo auf der Welt er lebt – wächst in einem bestimmten kulturellen Kontext auf. Dieser setzt sich aus unzähligen Komponenten wie Sprache, Essen, Bräuche, Traditionen, Gesten, Musik, Moralvorstellung und soziale Umgangsformen zusammen. Die Fähigkeit, eine bestimmte Kultur nicht nur zu „leben“, sondern sie auch tiefgreifend zu verstehen, wird auch als interkulturelle Kompetenz bezeichnet.

Kommen wir nun in einen anderen Kulturkreis, fehlt uns die entsprechende interkulturelle Kompetenz. Wir verstehen die fremde Sprache und bestimmte Verhaltensweisen nicht, ekeln uns vielleicht vor den landestypischen Gerichten und fühlen uns schlichtweg fremd. Wenn dieses Gefühlschaos aus Unbehagen, Angst, Isolation, Orientierungslosigkeit, Überforderung und Unwissenheit Überhand nimmt uns uns regelrecht überrollt, spricht man auch von einem Kulturschock.

Grundsätzlich gilt: Je mehr sich die „neue“ Kultur von der eigenen unterscheidet, desto wahrscheinlicher ist ein Kulturschock. Man kann sich jedoch gegen diesen wappnen oder – falls er trotz aller Vorbereitungsmaßnahmen doch eintritt – ihn überwinden.

Interessant ist auch, dass ein Kulturschock selten von jetzt auf gleich beziehungsweise gleich zu Beginn der Reise auftritt. Meist vergehen erst einmal ein paar Tage, in denen Vorfreude, Aufregung und Begeisterung überwiegen. Ist diese euphorische Phase vorbei, stellt sich häufig ein ganz anderes Gefühl ein: Der Kulturschock. Dieser tritt beispielsweise auf, wenn:

  • man plötzlich vor unerwarteten Herausforderungen steht
  • die Kultur (oder ihre „Intensität“) ganz anders als erwartet ist
  • Probleme auftreten
  • negative Seiten sichtbar werden

Einen Kulturschock vorbeugen

Wenn Sie sich im Vorfeld Ihrer Reise vor einem Kulturschock fürchten, ist es eine gute Idee, diesen vorzubeugen. Das ist gar nicht mal so kompliziert, wie es sich vielleicht anhört. Die beste Kulturschock-Prävention ist: informieren!

  • Lesen Sie so viel wie möglich über das Land, in das Sie reisen und legen Sie besonderes Augenmerk auf Traditionen, Bräuche, Lebensweise, Ernährung und Verhaltensweisen (beispielsweise zu Tisch). Neben Reiseführern sind auch Reise-Blogs und offizielle Informationsseiten wie die des Auswärtigen Amts gute Informationsquellen.
  • Befragen Sie andere Reisende zu ihren Erfahrungen und speziell nach Situationen, in denen sie vielleicht überfordert waren. Das hilft Ihnen dabei, sich besser auf ähnliche Momente vorzubereiten. Außerdem rufen Ihnen die Erfahrungsberichte im Nachhinein ins Gedächtnis, dass Sie nicht allein mit der eventuellen Überforderung sind.
  • Beschäftigen Sie sich mit der Sprache, die im Reiseland gesprochen wird und bringen Sie sich selbst die wichtigsten Worte und einige Sätze bei. Man sollte sich nie darauf verlassen, dass überall auf der Welt Englisch gesprochen und verstanden wird. Ihre Fremdsprachenkenntnisse müssen nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass Sie sich grundlegend verständigen können und somit nicht in die soziale Isolation geraten.
  • Fragen Sie sich selbst, was für Sie die größte Herausforderung werden könnte und überlegen Sie sich im Anschluss, wie Sie mit dieser umgehen können. Diese Präventionsmaßnahme ist zwar besonders gezielt, aber leider auch rein hypothetisch. A. Kann es letztendlich auch etwas ganz anderes sein, was den Kulturschock hervorruft und B. werden Sie nur schwer einschätzen können, was genau Ihnen hilft. Dennoch kann diese Vorbereitung helfen, dem Kulturschock gelassener entgegenzublicken.
  • Reisen Sie zu zweit oder in einer Gruppe. Die Gefahr, einen Kulturschock zu erleiden, ist bei Alleinreisenden häufig besonders groß. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Sie haben niemanden, mit dem Sie sich austauschen können und der sie aufbauen kann. Ganz anders verhält es sich, wenn Sie Reisebegleiter haben. Diese sind nicht nur eine angenehme Gesellschaft, sondern auch Repräsentanten Ihrer eigenen Kultur. Das mag merkwürdig klingen, kann aber einen überaus beruhigenden Effekt auf Sie haben.

Den Kulturschock erfolgreich überwinden

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen ist niemand vor dem Kulturschock geschützt. Wenn Sie das erste Mal in Kontakt mit einer fremden Kultur kommen, kann es immer passieren, dass Sie von all den neuen Eindrücken überrollt und erdrückt werden.

Wenn der Kulturschock eintritt, dann ist das kein Grund zur Panik. Sie werden Ihn überwinden. Die folgenden Maßnahmen sind Ihnen dabei behilflich:

  • Tasten Sie sich Schritt für Schritt an die neue Kultur heran. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie mit Anlauf ins Unbekannte springen. Es ist durchaus legitim, in den ersten Tagen in westlichen Restaurants zu essen und erst einmal die klassische Touristen-Tour zu buchen, ehe Sie das „wahre Gesicht“ des Landes kennenlernen.
  • Suchen Sie sich eine Beschäftigung, die Sie auch zuhause ausüben würden. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Sport. Die körperliche Betätigung hält Sie nicht nur fit, sondern ist auch eine hervorragende Ablenkung. Außerdem hilft Ihnen Sport dabei, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen.
  • Sprechen Sie andere Reisende an und tauschen Sie sich vor Ort aus. Es kann unglaublich ermutigend sein, mit anderen über persönliche Erfahrungen zu sprechen – und auch über die eine oder andere exotische Begebenheit herzhaft zu lachen.

Was hingegen nicht hilft

Ein Kulturschock – gerade, wenn er zum ersten Mal durchlebt wird – verleitet gern dazu, sich im Hotelzimmer zu verbarrikadieren und die Bettdecke über den Kopf zu ziehen „bis es vorbei ist“. Ein solches Verhalten wäre allerdings nicht nur albern, sondern auch absolut nutzlos. Denn wer sich vor der fremden Kultur versteckt, kann sie nicht kennenlernen – und dadurch auch nicht den Kulturschock überwinden.

Auch Skype-Anrufe und Whatsapp-Nachrichten in die Heimat sind zwar tröstlich, aber keine Hilfe. Freunde und Familie werden Sie sicherlich bemitleiden und Ihnen Mut machen, können Ihnen aber in der Regel keine Tipps geben, die Ihr Problem lösen.

Wenn der Schock zum Dauerzustand wird

Ein Kulturschock ist alles andere als angenehm – doch er ist in der Regel auch keine große Sache. Meist kann er schon nach kurzer Zeit überwunden und rückblickend belächelt werden. Wenn Sie jedoch merken, dass es sich bei Ihrem Unwohlsein nicht bloß um einen Schock, sondern einen dauerhaften Zustand handelt, ist es unter Umständen besser, die Reise abzubrechen oder in einem anderen Land fortzusetzen. Es ist durchaus möglich, dass man schlichtweg nicht warm mit einer Kultur wird. Ihr Sabbatjahr soll ein unvergesslicher, durchweg positiver Abschnitt in Ihrem Leben sein. Es wäre schade, sich währenddessen zu etwas zu zwingen, was man in Wirklichkeit gar nicht will.

Den Kulturschock überwinden bedeutet: persönlich weiterentwickeln

Gehen wir jedoch nicht vom Schlimmsten aus, sondern davon, dass Sie Ihren Kulturschock erfolgreich überwinden. Dann können Sie nicht nur stolz auf sich sein, sondern auch behaupten, eine große persönliche Entwicklung durchgemacht zu haben. Kulturelle Anpassung (als eine Art Vorstufe der interkulturellen Kompetenz) ist eine großartige Eigenschaft, die Ihnen in vielen kommenden Situationen helfen wird.

Zwar sind Sie – wie weiter oben bereits erwähnt – nie vor einem Kulturschock sicher, doch kann davon ausgegangen werden, dass Sie nach dem ersten überstandenen weitaus besser auf alle kommenden kulturellen Veränderungen vorbereitet sein werden.

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