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Sabbatjahr für Freelancer: Kann das funktionieren? – und wenn ja: Wie?

Nicht nur Angestellte, sondern auch viele Selbstständige träumen von der beruflichen Auszeit. Während die Chefs von kleinen, mittelständischen und großer Firmen wissen, dass ihre Angestellten dafür sorgen, dass alles seinen geregelten Gang geht, haben es Freelancer – also selbstständige, freie Mitarbeiter – häufig deutlich schwerer. Denn sie verdienen nur dann Geld, wenn sie auch wirklich an einem Kundenprojekt arbeiten. Bedeutet dass, dass ein Sabbatjahr für Freelancer nicht möglich ist?

Als Freelancer ein Sabbatjahr machen – Vorbereitung ist alles

Eines dürfte klar sein: Wer sich als Freelancer von heute auf morgen eine Auszeit gönnt, wird schnell an seine (finanziellen) Grenzen stoßen. Ein Sabbatjahr ist grundsätzlich für jeden möglich – egal ob selbstständig oder angestellt – muss aber auch in jeden Fall gründlich geplant und gut vorbereitet werden.

Wenn Sie als Freelancer arbeiten und eine berufliche Pause einlegen wollen, sollten Sie besonderes Augenmerk auf die folgenden Punkte legen:

  • Informieren Sie Ihre Kunden: Natürlich müssen Ihre Kunden wissen, dass Sie in einem bestimmten Zeitraum nicht für neue Aufträge zur Verfügung stehen. Setzen Sie Ihre Kunden rechtzeitig in Kenntnis, damit diese nicht von Ihrer Abwesenheit überrumpelt werden.
  • Überlegen Sie sich Alternativen: Eine der größte Ängste von Freelancern, die sich eine Auszeit genehmigen, ist, dass die Kunden während des Sabbatjahres davonlaufen. Um diese unangenehme Situation zu vermeiden, sollten Sie sich im Vorfeld Alternativen überlegen. Hier zwei Beispiele: Erarbeiten Sie mit Ihren wichtigsten Kunden einen Notfall-Plan und legen Sie beispielsweise eine Mail-Adresse an, unter der nur sie Sie erreichen können. Falls es wirklich einmal nicht zu umgehen ist, können Sie auch von unterwegs aus einen Auftrag erledigen. Eine andere Alternative ist die Empfehlung eines Kollegen, der Sie während Ihres Sabbatjahres vertritt und Ihre Kunden „bei Laune hält“. Wenn Sie sich für diese Möglichkeit entscheiden, sollten Sie unbedingt eine Person als Vertretung wählen, der Sie vertrauen und deren Arbeit Sie schätzen.
  • Arbeiten Sie vor: Die wohl schwierigste Herausforderung für Freelancer, die ein Sabbatjahr einlegen wollen, ist die Finanzierung. Wie bereits erwähnt, verdienen sie in der Regel nur dann Geld, wenn sie auch tatsächlich arbeiten. Keine Aufträge, kein Geld. Was also tun? Die wohl offensichtlichste Lösung dieses Problems ist das Vorarbeiten. Viele Freelancer nehmen unmittelbar vor dem Sabbatjahr so viele Aufträge wie möglich an, um maximale Umsätze zu generieren. Die Methode wird Sie jedoch früher oder später definitiv an Ihre Grenzen bringen. Besser ist es, wenn Sie so zeitig wie möglich mit dem Vorarbeiten beginnen und über einen längeren Zeitraum (beispielsweise zwei Jahre) Geld für Ihr Sabbatjahr zurücklegen.
  • Denken Sie über eine passive Einnahmequelle nach: Eine andere Methode, um Ihr Sabbatjahr zu finanzieren, ist das passive Einkommen, das wir Ihnen bereits in diesem Beitrag näher vorgestellt haben. Es spricht nichts dagegen, auch als Freelancer ein Produkt zu entwickeln und dieses zu verkaufen. Bedenken Sie jedoch, dass Sie als Freiberufler ein Gewerbe anmelden müssen, um diesen Schritt gehen zu können.

Lese-Tipp: Kosten für das Sabbatjahr senken: 10 Tipps für Sparfüchse 

  • Planen Sie, was Sie tun wollen: Ein wichtiger Punkt gleich vorweg – während Ihres Sabbatjahrs sind Sie nicht gezwungen, zu reisen. Gerade Freelancer, die beruflich sehr viel unterwegs sind, freuen sich auf die freie Zeit, in der sie einfach mal die Ruhe und ihr gewohntes Umfeld genießen können. Doch achten Sie auch von Anfang an darauf, dass keine Leere entsteht. Sobald Sie sich langweilen, werden Sie automatisch an Ihre Projekte und Kunden denken – und das sollte nun wirklich nicht das Ziel von einer Auszeit sein. Geben Sie Ihrem Sabbatjahr stattdessen einen Sinn beziehungsweise Inhalt. Hier haben wir ein paar Anregungen für Sie zusammengetragen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater: Dieser sollte – wie Ihre Kunden – auf jeden Fall von Ihrer Abwesenheit wissen und sich nicht fragen, wo Ihre monatlichen Zuarbeiten für die Buchhaltung bleiben. Außerdem hat der Steuerberater unter Umständen ein paar Tipps für Sie, wie Sie sparen und was Sie vielleicht von der Steuer absetzen können.
  • Klären Sie auch private Belange: Müssen zusätzliche Versicherungen abgeschlossen werden? Kann das Zeitschriften-Abo vielleicht gekündigt werden? Was muss der Krankenkasse mitgeteilt werden? Ein Sabbatjahr planen bedeutet, an viele verschiedene Dinge zu denken. Unsere Checklisteist Ihnen dabei behilflich.

Was bringt mir das Sabbatjahr als Freelancer?

Selbstständige im Allgemeinen und Freelancer im Speziellen sind häufig chronisch überarbeitet. Kein Wunder, wenn der Geldstrom sofort versiegt, sobald man sich für eine Weile ausruhen will. Dass ein Sabbatjahr dennoch eine hervorragende Idee ist, stellen die nachfolgenden Aspekte unter Beweis:

  • Sie sammeln Energie für neue Projekte: Es ist durchaus legitim, sich einen kleinen „Mini-Ruhestand zwischendurch“ zu gönnen. Andernfalls würden Sie der dauerhaften Belastung Ihres Berufs wahrscheinlich gar nicht standhalten. Ein Sabbatjahr ist eine hervorragende Möglichkeit, um durchzuatmen, Abstand zu gewinnen und neuen Schwung für alles Kommende zu sammeln.
  • Sie machen den Kopf frei: Manchmal hilft nur noch ein Neustart. Wenn unzählige Aufträge und Projekte Ihren Kopf regelrecht „zumüllen“, kann eine Auszeit angenehm „aufräumend“ wirken. Das Sabbatjahr wird Ihnen dabei helfen, sich wieder auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren und unnötigen Ballast abzuwerfen.
  • Sie erhalten neue Eindrücke: Egal ob Sie Ihr Sabbatjahr in der großen weiten Welt, in der Heimat oder irgendwo dazwischen verbringen – die Wahrscheinlichkeit, dass Sie viel Neues kennenlernen werden, ist riesig. Dieser neue Input erweitert übrigens nicht nur Ihren Horizont, sondern wird Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch inspirieren und zu neuen Denkweisen anregen (sowohl privat als auch beruflich).
  • Sie werden Spaß haben: Es mag profan erscheinen, doch ist Spaß ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Auszeit. Gerade, wenn Sie die Freude an Ihrem Job (kurzfristig) verloren haben, werden Ihnen ein Tapetenwechsel und ein bisschen frischer Wind wirklich guttun. Genießen Sie die Zeit abseits vom Schreibtisch und haben Sie ganz bewusst Spaß. Hinterher werden Sie garantiert auch wieder mehr Lust auf Ihre Arbeit als Freelancer haben.
  • Sie werden vor neuen Herausforderungen gestellt: Ein Sabbatjahr wird für Sie die perfekte Gelegenheit sein, endlich mal wieder Ihre Komfortzone zu verlassen und neue Gefilde zu entdecken. An den Herausforderungen, denen Sie sich im Zuge dessen stellen, werden Sie wachsen. Eine Auszeit ist immer auch mit einer Entwicklung der eigenen Persönlichkeit verbunden und wird Sie für zukünftige (berufliche) Konfliktsituationen stärken.
  • Sie werden gewinnen: Auch wenn der Kontostand etwas weniger üppig ausfallen wird, auch wenn Ihnen vielleicht eins, zwei Kunden verloren gehen und auch wenn Sie hinterher erst einmal wieder in Ihre Arbeit zurückfinden müssen, dürfen Sie im Hinblick auf ein Sabbatjahr nicht nur auf die Verluste denken. Machen Sie sich lieber bewusst, dass Sie auch ganz viel gewinnen werden – angefangen bei spannenden Erkenntnissen über neue Bekanntschaften und Erinnerungen, die Ihnen nie wieder jemand nehmen kann bis hin zur Zeit, die Sie mit Ihren Liebsten und nicht am Arbeitsplatz verbringen können.

Lese-Tipp: Der Freelancer Chris Cuhls hat auf seinem Blog beschrieben, wie er sein Sabbatjahr empfunden und welche Erkenntnisse er daraus mitgenommen hat. Den Beitrag finden Sie hier.

Den Wiedereinstieg in den Job finden

So wundervoll ein Sabbatjahr auch ist, irgendwann ist immer ein Ende in Sicht. Für Freelancer bedeutet das, Schritt für Schritt wieder das Business aufzunehmen, Kunden über die Rückkehr zu informieren, neue Aufträge an Land zu ziehen und wieder in den beruflichen Alltag zu finden.

Es ist wichtig, dass Sie sich selbst nicht überfordern und gleich zu Beginn Ihrer Rückkehr zu viel von sich verlangen. Besser: Lassen Sie es langsam angehen und steigern Sie sich von Tag zu Tag. Sie werden schon früh genug wieder in Chaos versinken.

Ganz wichtig ist außerdem, dass Sie das Erlebte nicht gleich wieder aus den Augen verlieren. Schließen Sie die schönen Momente des Sabbatjahrs in Ihrem Herzen ein und schöpfen Sie daraus Kraft, wenn es nötig ist. Auf diese Weise werden Sie auch hinterher noch lang von Ihrer Auszeit profitieren und sagen können, dass das Sabbatjahr Ihrer Karriere als Freelancer nicht geschadet hat.

7 Kommentare zu „Sabbatjahr für Freelancer: Kann das funktionieren? – und wenn ja: Wie?“

  1. Hi,
    danke für den interessanten Beitrag.
    Eine Freundin möchte jetzt ein Sabbatjahr einlegen. Sie geht Teilzeit arbeiten. Ihr Steuerberater meinte, dass es keine Probleme in der Beratung geben sollte. Muss man denn nicht trotzdem etwas beachten?

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  4. Vielen Dank für die wertvollen Tipps.
    Ich habe zuletzt eine Freelancerin über die Plattform http://www.freelancer-schweiz.ch beauftragt. Sie ist jetzt in Mutterschaftsurlaub und sie hat mich vorher über ihre Schwangerschaft informiert. Nur in dringenden Fällen wende ich mich an sie, wenn ich dringende Arbeiten habe.

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  7. Hallo und vielen Dank für den Artikel. Ich denke, dass es ein Sabbatjahr machbar ist aber nur wenn man davor viel gespart hat. Deshalb ist es nicht für alle. Ich studiere noch und arbeite nur Teilzeit freiberuflich. Aus diesem Grund kann ich mich kein Sabbatjahr leisten.
    Hat jemand das als Freelancer gemacht? Es wäre schön, eine praktische Erfahrung auf der Webseite zu lesen.

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