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Führungsposition und Sabbatjahr – Kann das funktionieren?

In allen Branchen, Altersgruppen und Positionen finden sich mittlerweile Menschen, die den bewussten Schlussstrich ziehen und sich für ein Sabbatjahr entscheiden. Die Motivationen der Leute sind stets individuell und doch alle ähnlich: Zeit mit sich selbst und den Liebsten verbringen, dem stressigen (Büro-)Alltag entfliehen, durchatmen, Kraft tanken und den Fokus auf neue Ziele richten. So beliebt das Sabbatjahr derzeit auch ist, es scheint so, als hätten nicht alle Interessenten die gleichen Möglichkeiten. Wie stehen beispielsweise die Chancen, wenn man als Arbeitnehmer in einer Führungsposition eine Auszeit nehmen will?

Stress im Akkord – Willkommen auf der Führungsebene!

Ein nie endender Termin-Marathon, stetig klingelnde Telefone, Verantwortung auf verschiedenen Ebenen und über andere Mitarbeiter, Überstunden – der Arbeitsalltag von Führungskräften ist geprägt durch permanenten Stress. Momente der Ruhe und zum Durchatmen? Keine Zeit. Urlaub? Den kann man auch später noch nehmen. Schon wieder ein deutlich nach hinten verschobener Feierabend? Völlig normal.

Keine Frage: Wer sich eine Führungsposition erarbeitet hat, muss alles geben, um hier nicht unterzugehen. Dass vor allem Manager, Vorgesetzte und Co. zum Burnout und zu Depressionen neigen, überrascht nicht im Geringsten. Und doch – obwohl sie es am allernötigsten hätten – gönnen sich Führungskräfte nur selten eine Auszeit, die über das verlängerte Wochenende hinaus geht. Warum ist das so?

Der Druck, immer funktionieren zu müssen

Die Arbeitsplätze im oberen Bereich der Unternehmenshierarchie sind begehrt. Entscheidungsmacht, Mitspracherecht und gute Gehälter locken sowohl Männer als auch Frauen in die Chefetagen. Als Gegenleistung werden permanente Leistungsbereitschaft und eine perfekte Arbeitsweise verlangt. Für Fehler ist keine Zeit, ebenso wenig wie für lange Entscheidungsprozesse. Wer sich hier beweisen und Karriere machen will, hält dem permanenten Druck stand und lernt, ihn wegzustecken.

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Arbeitsweise alles andere als gut für die eigene Gesundheit ist. Auch das Privat- und Familienleben der Führungskräfte leidet oftmals massiv unter dem enormen beruflichen Druck. Doch anstatt hin und wieder einen Gang zurückzuschalten, wird noch kräftiger aufs Gas getreten. Angestellte in Führungspositionen wissen, dass es genug andere Mitarbeiter gibt, die die Position gern einnehmen würden und nur auf den kurzen Moment des Schwächelns warten, um ihre Chance zu ergreifen.

Bedeutet das, dass Angestellte in Führungspositionen auf keinen Fall die Möglichkeit haben, ein Sabbatjahr einzulegen? Glücklicherweise lautet die Antwort auf diese Frage: Nein! Immerhin können es sogar Selbstständige schaffen.

So klappt das Sabbatjahr trotz Führungsposition

Bei der Planung von einem Sabbatjahr ist die richtige Vorbereitung das A und O – egal, welchen Beruf Sie ausüben und welche Position Sie innehaben. Wer die bevorstehende Auszeit gut vorbereitet und einen wasserdichten Plan aufstellt, kann sich voll und ganz auf das Sabbatical freuen.
Info: Während normale Angestellte meist ein halbes Jahr vor der Auszeit mit dem Planen und Organisieren beginnen, sollten Führungskräfte noch zeitiger anfangen. Es ist immer besser, wenn Sie am Ende noch etwas Luft haben. Unter (Zeit-)Druck passieren schneller Fehler, die Sie durchaus davon abhalten können, sich während Ihres Sabbatjahres zu entspannen.

Wenn Sie als Arbeitnehmer in einer Führungsposition ein Sabbatjahr nehmen wollen, reicht es in der Regel nicht aus, einzelne Aufgaben an verschiedene Kollegen zu übergeben. Damit die anderen Mitarbeiter weiterhin einen festen Ansprechpartner haben, ist es sinnvoll, eine Vertretung für die Zeit Ihrer Abwesenheit zu bestimmen, die sowohl für die Kollegen als auch die Kunden erreichbar ist. Die Entscheidung, welcher Mitarbeiter Sie vertreten soll, will natürlich mit Bedacht getroffen werden. Lassen Sie sich daher ruhig ein bisschen Zeit und ziehen Sie mehrere Personen in Betracht. Sie werden schnell feststellen, dass manche Kollegen mehr geeignet sind und andere weniger. Letztendlich sollte Ihre Wahl immer auf jemanden fallen, dem Sie vertrauen und dem Sie Ihre Macht und Verantwortung im Unternehmen gern übergeben.

Alles im Auge behalten – mit einer Checkliste!

Einarbeitung vom Kollegen in die neuen Aufgabenbereiche, Abschluss aller laufenden Projekte, Informieren der Kunden… wenn die Vorbereitungen für das Sabbatjahr auf Hochtouren laufen, kann es schnell passieren, dass Sie den Überblick über die offenen to dos verlieren. In diesem Fall hilft Ihnen die gute alte Checkliste, die Sie wahlweise auch in digitaler Form (beispielsweise als App) nutzen können. Punkte, die vor dem Beginn Ihrer Auszeit unbedingt abgehakt werden müssen, sind unter anderem:

  • Anfrage beim Chef (der das Sabbatjahr erst einmal genehmigen muss)
  • Klären aller Fragen zur Finanzierung
  • Klären aller Fragen zu den Versicherungen
  • Festhalten aller Rahmenbedingungen in einem schriftlichen Dokument
  • Bestimmen einer Vertretung oder eines Nachfolgers
  • Auflistung aller offener Projekte
  • Abschluss aller offener Projekte
  • Auflistung aller Aufgaben, die an die Vertretung/den Nachfolger abgegeben werden
  • Klärung offener Fragen zu den Aufgaben
  • Informieren aller Kunden über die bevorstehende Veränderung und Nennung der Vertretung/Nachfolge

Sabbatjahr als nächster Karriereschritt?

Führungsposition und Sabbatjahr – ja, es kann funktionieren, wenn man sorgfältig plant und vorbereitet. Wer will, kann nach der Auszeit sogar problemlos wieder im alten Job einsteigen und den bisherigen Karriereweg weiterverfolgen.

Es besteht allerdings auch noch eine andere Möglichkeit – nämlich die der Kündigung. Immer mehr Führungskräfte entscheiden sich für diesen Schritt, weil sie erkennen, dass es sich hierbei keinesfalls um einen Karriereknick handelt. Ganz im Gegenteil: Wer ein Sabbatjahr hinter sich hat, ist häufig gefragter denn je. Unternehmen schätzen Aussteiger, die Lebenserfahrung gesammelt haben und genau wissen, welchen beruflichen Kurs sie einschlagen. Auch Fremdsprachenkenntnisse und ehrenamtliches Engagement sind Aspekte, die jede Bewerbung erheblich aufwerten.

Vor allem Führungskräfte, die in ihrem bisherigen Job wenige bis gar keine weiteren Aufstiegschancen haben, sollten sich diese Option einmal genau durch den Kopf gehen lassen. Auch wenn eine Kündigung erst einmal ein gewaltiger Schritt ist, ist sie doch nie das Ende der Welt. Ein Sabbatjahr reißt keine Lücke in den Lebenslauf, es macht ihn interessanter und hebt ihn deutlich von den Karrierewegen anderer ab.

Sollten Sie sich tatsächlich für eine Kündigung entscheiden, ist es nur fair, wenn Sie von Anfang an mit offenen Karten spielen und den Plan mit Ihrem Chef teilen. Dann können Sie gemeinsam entscheiden, wie es weitergehen soll, ob Sie während des Sabbatjahres weiter angestellt bleiben oder die Kündigung schon eher eintritt. Außerdem besteht dann die Möglichkeit, gemeinsam nach einem Nachfolger zu suchen, den Sie vor Beginn Ihrer Auszeit einarbeiten können. Es wird im Interesse aller sein, wenn sich die Wege von Ihnen und Ihrem bisherigen Arbeitgeber friedlich und respektvoll trennen.

Es muss gar nicht ein ganzes Jahr sein

Sie interessieren sich schon eine Weile für eine berufliche Auszeit, lassen sich aber immer wieder davon abschrecken, dass diese ein ganzes Jahr lang dauern soll? Dann haben wir an dieser Stelle eine gute Nachricht für Sie: Auch wenn es SabbatJAHR heißt, muss die Auszeit keinesfalls 12 Monate dauern. Viele Experten gehen davon aus, dass auch drei bis sechs Monate ausreichen, um alle Gedanken im Kopf zu sortieren und neue Energie zu tanken. Gerade Führungskräfte, die Ihre Position im Unternehmen nicht aufs Spiel setzen wollen, finden in einer solchen verkürzten Auszeit den perfekten Kompromiss, mit dem höchstwahrscheinlich auch der Chef einverstanden sein wird.

Ob eine drei- oder sechsmonatige Auszeit genauso erholsam wie ein zwölfmonatiges Sabbatjahr sein kann? Selbstverständlich. Wichtig ist im Grunde genommen nur, dass Sie stets im Hier und Jetzt leben und nicht alles minutiös planen. Die Effektivität, die Sie normalerweise im Job an den Tag legen, darf sich während der Auszeit ruhig auch ein wenig entspannen. Nun heißt es: Durchatmen und den Moment genießen.

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