SABBATJAHR-RATGEBER

Sabbatjahr als Selbstständige/r – Ist das überhaupt möglich?

Selbstständige – seien es nun Gewerbetreibende oder Freiberufler, Einzelunternehmer oder Konzernleiter – genießen häufig den zweifelhaften Ruf, permanent überarbeitet und gestresst zu sein. Die Annahme, dass sie eine Auszeit in Form von einem Sabbatjahr besonders nötig haben, ist also durchaus naheliegend. Das Problem: Auch wenn Selbstständige nicht erst ihren Chef um Erlaubnis für die Auszeit fragen müssen, treten sie nur in den seltensten Fällen ein Sabbatjahr an. Die Gründe hierfür sind verschieden und werfen eine ganz konkrete Frage auf: Kann ich als Selbstständiger ein Sabbatjahr machen?

Risikogruppe Selbstständige

Jahrelang kein richtiger Urlaub, durchgearbeitete Wochenenden, viel zu kurze, am Schreibtisch verbrachte Pausen, Telefonate und Email-Korrespondenz nach Feierabend – Der Spruch „Selbstständige arbeiten selbst und ständig“ kommt nicht von ungefähr. In der Tat arbeiten Menschen, die ihr eigener Chef sind, häufig deutlich mehr als Angestellte. Die Resultate liegen auf der Hand: Sie sind schnell ausgebrannt, dauerhaft gestresst und neigen stark zum Burnout. Doch statt sich endlich eine Pause zu gönnen, machen sie meist weiter – schließlich ist kein anderer da, der die Arbeit erledigen würde und Geld kommt in der Zeit des Urlaubs auch nicht in die Kasse. Selbstständige setzen sich häufig täglich einem enormen Druck auf und merken dabei gar nicht, wie ihnen dieser an die Substanz geht. Keine Frage: Eine Auszeit, die die normale Dauer eines verlängerten Wochenendes übersteigt, täte ihnen durchaus gut.

„Kann ich mir das leisten?“

Aus Sicht der Selbstständigen ist eine längere Pause vom Job, beispielsweise in Form von einem Sabbatjahr, im ersten Moment nur eines: Ein enormer Verdienstausfall. Wer über mehrere Monate hinweg nicht arbeitet, vergrault nicht nur eventuell Kunden, sondern hat auch keine nennenswerten Einnahmen. Es leuchtet ein, dass diese Aussicht viele abschreckt und davon abhält, ihren Traum von der erholsamen Auszeit zu verwirklichen.

Sabbatical für Selbstständige: Wie funktioniert das?

Die gute Nachricht jedoch ist: Auch Selbstständige – ob nun Handwerksmeister, Konzernchef oder Online-Entrepreneur – können sich ein Sabbatjahr „leisten“. Es erklärt sich fast schon von selbst, dass dieses Vorhaben eine erhebliche Vorbereitungsphase verlangt, aber es ist möglich. Wir erklären, worauf es alles zu achten gilt und auf welche Vor- und Nachteile Sie sich einstellen müssen.

Vorteil: Die Flexibilität und Eigenständigkeit der Selbstständigen

Während Angestellte noch auf die Genehmigung vom Vorgesetzten warten, können Selbstständige bereits mit der Planung vom Sabbatjahr beginnen. Ihr größter Vorteil ist die Flexibilität und Eigenständigkeit, die ihr beruflicher Alltag mit sich bringt. Oder anders formuliert: Wer sein eigener Chef ist, muss niemanden um Erlaubnis beten, sondern kann sein Sabbatjahr einfach starten, wann es ihm am besten passt.

Info: Es „verlangt“ übrigens niemand von Ihnen, dass die Auszeit wirklich ein ganzes Jahr dauert. Oftmals reichen schon drei bis sechs Monate, um den Reset-Knopf zu drücken.

Nachteil: Der Verdienstausfall und zu vertröstende Kunden

Wie weiter oben bereits angeschnitten ist der drohende Verdienstausfall der wohl größte Nachteil, den Selbstständige im Sabbatjahr sehen. Hinzu kommen Kunden, die über einen gewissen Zeitraum vertröstet werden müssen und dann eventuell zur Konkurrenz wechseln. Zugegebenermaßen sind das nicht gerade die besten Aussichten für eine erholsame und stressfreie Auszeit, in der alle Zeiger auf Entspannung stehen sollten.

Die richtige Planung

Um die beiden genannten Nachteile in den Griff zu bekommen und auch maximal vom Vorteil profitieren zu können, ist die richtige Planung vom Sabbatjahr für Selbstständige unverzichtbar. Nur wer sich im Vorfeld ausreichend Gedanken macht und alles mit der nötigen Vorlaufzeit plant, kann die Auszeit schließlich im vollen Maße genießen.

Schritt #1: Ein Ziel ins Auge fassen

Mit welcher Motivation treten Sie an das Sabbatjahr heran? Wollen Sie einfach mal „nichts“ machen? In eine Reihe von Ländern reisen? Ein privates Projekt in die Tat umsetzen? Wie genau das Sabbatjahr inhaltlich gestaltet wird, wird nirgendwo vorgeschrieben. Erlaubt ist, was Ihnen gefällt und was Sie glücklich macht. Doch auch wenn die Möglichkeiten scheinbar grenzenlos sind, ist es wichtig, sich zu fokussieren. Das Festlegen eines Ziels für Ihr Sabbatjahr ist unverzichtbar für die weitere Planung.

Schritt #2: Benötigtes Budget berechnen

Es versteht sich von selbst, dass eine zwölfmonatige Weltreise mehr Geld kostet als drei Monate Familienzeit in heimischen Gefilden. Nachdem Sie Ihr Ziel für das Sabbatjahr ins Auge gefasst haben, gilt es, (grob) zu berechnen, wie viel Geld Sie für die Umsetzung benötigen werden. Denken Sie hierbei unbedingt auch an Fixkosten, die während des Sabbatjahres weiter vom Konto abgebucht werden. Dieser Schritt ist ausgesprochen wichtig, da Sie während Ihrer Auszeit natürlich nicht pleite gehen, sondern weiterhin einen gewissen Lebensstandard bewahren wollen.

Tipp: Gerade im Fall von Reisen, aber auch bei Bauvorhaben u.ä. ist es sinnvoll, ein wenig großzügiger zu rechnen und einen finanziellen Puffer anzusparen. Es ist immer besser, am Ende noch Geld übrig zu haben – und auch sehr viel entspannter.

Schritt #3: Zeitraum festlegen

Es liegt auf der Hand, dass man als Selbstständiger nicht heute beschließen kann, morgen ein Sabbatjahr zu starten. Eine so große Veränderung des beruflichen Alltags benötigt immer eine gewisse Vorlaufzeit, um beispielsweise

  • Geld anzusparen
  • aktuelle Projekte zu beenden
  • Kunden über die bevorstehenden Auszeit zu informieren
  • eventuell eine Vertretung zu suchen und/oder zu bestimmen
  • eventuell Angestellte über die anstehenden Veränderungen zu informieren
  • die Inhalte des Sabbatjahres zu planen (beispielsweise eine Weltreise LINK!!!)

Was genau alles in dieser Vorbereitungszeit erledigt werden muss, hängt stark von der „Art“ Ihrer Selbstständigkeit und Ihrer beruflichen Situation ab. Wenn Sie ein Unternehmen mit mehreren Angestellten leiten, ist es sinnvoll, eine Vertretung zu bestimmen und dieser die wichtigsten Aufgaben zu übergeben. Im Fall von Einzelunternehmern und Freiberuflern ist es schon etwas komplizierter. Hier ist es sinnvoll, Kunden in der Zeit des Sabbatjahres eventuell an einen Branchenkollegen zu verweisen. Auch der finanzielle Punkt gestaltet sich bei jedem anders. Während die einen schon im Laufe der letzten Jahre ein Polster angespart haben, müssen andere erst noch eine gewisse Summe zurücklegen, ehe das Abenteuer Sabbatjahr beginnen kann. In diesem Fall kann sich ein Gespräch mit dem Vermögensberater lohnen, der Ihnen unter Umständen interessante Möglichkeiten der Sabbatjahr-Finanzierung aufzeigt.

Schritt #4: Alle informieren

Wenn die Planung schließlich weitestgehend steht, Sie also wissen, in welchem Zeitraum das Sabbatjahr stattfindet und was Sie während Ihrer Auszeit tun wollen, gilt es als nächstes, alle zu informieren. Nicht nur Kunden und Angestellte, sondern auch die Krankenkasse, Versicherungen, Familienmitglieder, Freunde und Geschäftspartner werden durchaus daran interessiert sein, in welchem Maß sich Ihr beruflicher Alltag in den kommenden Monaten verändern wird.

Sabbatjahr und trotzdem arbeiten: Geht das?

So verlockend eine Auszeit auch klingen mag, so ganz ohne Arbeit geht es für die meisten Selbstständigen dann doch nicht. Zum einen, weil das Ersparte nicht ausreicht und bestimmte Kunden weiterhin betreut werden müssen. Zum anderen, weil viele schlichtweg lieben, was sie tun und es zu einem festen Teil ihres Lebens geworden ist. Wenn auch Sie es sich kaum vorstellen können, in der Zeit des Sabbatjahres überhaupt nicht zu arbeiten, wird Sie folgende Nachricht freuen: Niemand zwingt Sie dazu, die Arbeit vollständig niederzulegen. Es ist durchaus legitim, hin und wieder oder auch regelmäßig dem gewohnten Business nachzugehen – wenn Sie dabei die Entspannung und Ihr eigenes Wohl nie außer Acht lassen, immerhin soll das Sabbatjahr eine erholsame Auszeit sein.

Viele Selbstständige entscheiden sich beispielsweise für das Modell Workation. Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern work für Arbeit und vacation für Ferien. Soll heißen: Sie verreisen (egal ob in die weite Welt oder ins nächste Naherholungszentrum) und verbinden dort Freizeit und Beruf miteinander. Workations gewinnen immer mehr Anhänger und werden inzwischen sogar von verschiedenen Anbietern professionell organisiert. Ob Sie diese Dienste in Anspruch nehmen oder Ihre Workation selber planen, ist Geschmackssache. Beide Varianten haben sowohl Vor- als auch Nachteile.

Das wichtigste ist, dass Sie am Ende eine Gestaltung Ihres Sabbatjahres finden, mit der Sie als Selbstständige/r zufrieden sind. Ein allgemeingültiges Patentrezept gibt es (leider?) nicht.

1 Kommentar zu „Sabbatjahr als Selbstständige/r – Ist das überhaupt möglich?“

  1. die Inhalte des Sabbatjahres zu planen (beispielsweise eine Weltreise LINK!!!)
    Klartext: als Selbstständiger musst du selbstständig deine Auszeit erwirtschaften, am besten ist, du arbeitest unterwegs … ist das ein Witz???

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