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Vom Angestellten zum digitalen Nomaden – Ein Praxis-Guide von Martina & Max (NomadenStory)

Vom Angestellten zum digitalen Nomaden – Ein Praxis-Guide von Martina & Max (NomadenStory)

Martina & Max haben 2018 ihre Festanstellungen gekündigt und ein komplett ortsunabhängiges Leben aufgebaut. Seitdem haben sie über 70 Länder auf allen Kontinenten bereist – von Südostasien über Südamerika bis Europa und Afrika. Auf NomadenStory.de dokumentieren sie ihren Weg ehrlich und ohne Filter: Was funktioniert, was nicht, und was man wirklich wissen muss, bevor man den Schritt wagt.

Wie sah euer beruflicher Werdegang vor dem Nomadenleben aus?

Max arbeitet seit 2011 im Online-Marketing, war bei großen Konzernen angestellt und ist nebenbei seit 2008 selbstständig. Die Selbstständigkeit lief immer parallel zum Angestelltenverhältnis – das war letztlich die Basis für den Übergang. Martina hat Psychologie an der Uni Würzburg studiert und danach bei BMW gearbeitet. Von dort wechselte sie in eine Digitalagentur, bevor sie sich ebenfalls im Online-Marketing selbstständig machte. Beide hatten also solide Karrieren in Deutschland, bevor der Wechsel kam.

Was war der Auslöser, Deutschland zu verlassen?

Die vermeintliche Sicherheit in Deutschland ist eine Illusion. Facharzttermine bekommt man kaum noch, die Rente ist für unsere Generation mehr als fraglich, und das Sozialsystem transferiert Wohlstand systematisch von Jung nach Alt. Mathematisch wird dieses System implodieren – das ist keine Meinung, das ist Demografie.

Statt uns auf ein System zu verlassen, das seine Versprechen nicht halten kann, haben wir uns entschieden, selbst Verantwortung zu übernehmen. Als Freelancer sorgen wir eigenständig vor – für Gesundheit, Alter, alles. Das war der eigentliche Auslöser: Nicht Abenteuerlust, sondern die nüchterne Erkenntnis, dass Eigenverantwortung mehr Sicherheit bietet als jedes staatliche Versprechen.

Wie habt ihr den Übergang finanziell geplant?

Der Übergang war fließend und nicht abrupt. Wir haben über einen langen Zeitraum Ersparnisse aufgebaut und Reserven geschaffen, bevor wir den finalen Schritt gemacht haben. Es gab keinen dramatischen Moment, an dem wir alles hingeworfen haben – es war ein gradueller Prozess.

Wichtig war, dass wir nie in eine Situation kamen, in der wir unter Druck standen. Mit ausreichend Rücklagen kann man Entscheidungen in Ruhe treffen, statt aus der Not heraus zu handeln.

Welche bürokratischen Schritte waren nötig?

Vier zentrale Schritte:

  1. Internationale Krankenversicherung abschließen – Das ist das Erste, was geklärt werden muss. Ohne vernünftige Auslandskrankenversicherung geht gar nichts.
  2. Abmeldung aus Deutschland – Wohnsitz abmelden, was diverse Konsequenzen für Steuern, Sozialversicherung und Verträge hat.
  3. LLC gründen nach der Ausreise – Wir haben nach dem Verlassen Deutschlands eine US-LLC gegründet als Unternehmensstruktur.
  4. Exit-Steuer bei Max‘ GmbH – Max hatte eine deutsche GmbH, und die Wegzugsbesteuerung war ein eigener Komplex, der professionelle Steuerberatung erforderte.

Jeder dieser Punkte hat seine eigenen Fallstricke. Besonders die steuerlichen Aspekte sollte man nicht ohne Fachberatung angehen.

Wie habt ihr euch ein digitales Einkommen aufgebaut?

Das digitale Einkommen stand schon vor und während der Transition. Max war durch seine jahrelange Selbstständigkeit im Online-Marketing bereits digital aufgestellt. Es ging also nicht darum, von null ein Online-Business zu starten, sondern bestehende Einkommensströme zu verstetigen und auszubauen.

Der Vorteil: Online-Marketing ist per Definition ortsunabhängig. Ob man eine Google-Ads-Kampagne aus München oder aus Kuala Lumpur steuert, macht für den Kunden keinen Unterschied.

Wie sieht euer Arbeitsalltag als digitale Nomaden konkret aus?

Wir arbeiten Montag bis Donnerstag. Pro Tag halten wir mindestens vier Stunden Overlap mit den deutschen Geschäftszeiten ein – das ist essentiell für Calls mit europäischen Kunden.

Beim Tooling haben wir uns weiterentwickelt: Früher Asana für Projektmanagement, mittlerweile custom-gebaute Tools via Vibe Coding. Kommunikation läuft über Slack und Google Workspace. Dazu ein guter AI-Stack, der die Produktivität massiv steigert.

Die Zeitzone ist dabei ein wichtiger Faktor bei der Länderwahl. Südostasien funktioniert gut, weil man morgens Zeit für sich hat und nachmittags bzw. abends eine Overlap-Zeit mit Europa hat.

Welche Ängste oder Zweifel hattet ihr?

Die größte Angst war ehrlich gesagt nicht das Ausland – sondern ein langweiliges Leben in Deutschland zu führen, das der vermeintlichen Norm entspricht. Vor dem Ausland hatten wir wenig Angst, weil die Realität zeigt: 99,99999% der Menschen auf der Welt sind gut. Wir haben fast ausschließlich positive Begegnungen gemacht.

Das Narrativ, dass die Welt gefährlich sei, stimmt einfach nicht. Natürlich gibt es Risiken – aber die gibt es in jeder deutschen Großstadt auch. Die irrationale Angst vor dem Unbekannten ist das eigentliche Hindernis, nicht die tatsächlichen Gefahren.

Wie hat euer Umfeld reagiert?

Erstaunlicherweise gab es kein negatives Feedback. Im Gegenteil: Der häufigste Kommentar war sinngemäß: „Wenn ich nochmal die Chance hätte, ich exakt dasselbe machen.“ Die Reaktionen waren durchweg positiv.

Das mag daran liegen, dass viele Menschen insgeheim wissen, dass der klassische Weg nicht der einzige ist. Wenn jemand den Schritt tatsächlich macht, kommt eher Respekt als Kritik.

Was waren Herausforderungen, die ihr vorher nicht auf dem Schirm hattet?

KYC-Prozesse. Also die Know-Your-Customer-Verifikation bei Banken, Kreditkartenanbietern und Depotführern. Ohne deutschen Wohnsitz wird es bei vielen Finanzdienstleistern kompliziert bis unmöglich.

Das ist ein Thema, das in keinem Ratgeber steht, aber im Alltag massiv nervt: Konten, die eingefroren werden, weil man die Adressverifizierung nicht besteht. Kreditkarten, die nicht mehr funktionieren. Broker, die einen als Kunden ablehnen. Wer auswandert, sollte seine gesamte Finanzinfrastruktur vorher durchdenken und ggf. umstellen.

Was sind die besten Einstiegs-Länder für angehende digitale Nomaden?

Am einfachsten startet man in Ländern, die maximal sechs Stunden Zeitverschiebung vor Deutschland liegen. Das macht die Overlap-Zeit mit europäischen Kunden handhabbar.

Konkret empfehlen wir:

  • Malaysia – Hervorragende Internet-Infrastruktur, günstig, multikulti, englischsprachig
  • Indonesien (Bali) – Große Nomaden-Community, gute Coworking-Spaces, bezahlbar
  • Vietnam – Aufstrebend, extrem günstig, überraschend gutes Internet
  • Thailand – Der Klassiker, bewährte Infrastruktur, einfaches Visum

Alle vier Länder bieten stabile Internet-Infrastruktur und einen guten Timezone-Fit zu Europa.

Welchen Rat gebt ihr jemandem, der gerade noch im Angestelltenverhältnis sitzt und mit dem Gedanken spielt?

Drei zentrale Fragen, die man sich ehrlich beantworten muss:

  • Was willst du beruflich machen?
    AI holt massiv auf. Wer plant, als VA oder Content Writer zu arbeiten, wird es zunehmend schwer haben. Die Tätigkeit muss zukunftsfest sein.
  • Hast du Ersparnisse für mindestens ein Jahr?
    Ohne finanzielles Polster wird der Druck zu groß und man trifft schlechte Entscheidungen.
  • Hast du Kontakte, um an erste Kunden zu kommen?
    Ein Netzwerk ist Gold wert. Kaltakquise aus dem Nichts heraus ist brutal.

Und ein grundsätzlicher Gedanke: Hör auf, über Sicherheit nachzudenken. In die Sozialversicherung einzuzahlen ist keine Garantie, dass du die Leistungen, für die du bezahlt hast, auch tatsächlich erhältst.

Was würdet ihr heute anders machen?

Sofort in die Selbstständigkeit gehen. Nie ein Angestelltenverhältnis eingehen. Keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen, sondern von Anfang an eigenständig vorsorgen.

Das klingt radikal, ist aber unsere ehrliche Rückschau. Jeder Euro, der in die gesetzliche Rente geflossen ist, hätte privat investiert ein Vielfaches gebracht. Jedes Jahr im Angestelltenverhältnis war ein Jahr, in dem jemand anderes über unsere Zeit bestimmt hat.


Über Martina & Max

Martina & Max und Martina sind seit 2018 als digitale Nomaden unterwegs – aktuell in Südostasien. Beide arbeiten im Online Marketing und haben sich Schritt für Schritt ein ortsunabhängiges Arbeitsleben aufgebaut. Max ist seit 2008 selbstständig und seit 2011 im Online Marketing tätig. Martina hat Psychologie an der Uni Würzburg studiert und war unter anderem bei BMW und einer Digitalagentur beschäftigt, bevor sie ebenfalls den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. Auf ihrem Blog NomadenStory.de und ihren Social-Media-Kanälen teilen sie ehrliche Einblicke in ihren Alltag als digitale Nomaden – von Visa-Fragen über Coworking-Spaces bis hin zu den Herausforderungen, die niemand auf Instagram zeigt.


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