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Digitaler Detox: Der bewusste Verzicht aufs Smartphone

Das Smartphone – Fluch und Segen zugleich. Kein anderes technisches Gerät beeinflusst unser Leben mittlerweile so sehr wie das „schlaue Mobiltelefon“. Kein Wunder, denn es ist ein wahres Allround-Talent, das uns längst nicht mehr nur beim Kommunizieren behilflich ist. Doch so hilfreich das Smartphone auch sein mag, es kann auch schnell zur Belastung werden. Die ständige Erreichbarkeit, das unangenehme Gefühl, etwas zu verpassen, wenn wir nicht alle X Minuten einen Blick darauf werfen, das ständige Bedürfnis, unsere Erlebnisse mit anderen zu teilen (und zwar in Echtzeit!) – all das und noch mehr sorgt dafür, dass viele Nutzer längst eine Hassliebe zu ihrem Smartphone aufgebaut haben. Ein sogenannter Digital Detox kann dabei helfen, aus diesem Dilemma herauszukommen.

Was ist ein Digital Detox?

Der Begriff Detox stammt ursprünglich aus dem Gesundheits- und Ernährungsbereich und beschreibt eine regenerierende Reinigung, ähnlich dem Fasten. Es geht darum, den Körper (und Geist) von allen unnötigen Giftstoffen und Ballast zu befreien und ihm eine Art Neustart zu ermöglichen. Da Detoxing gerade ziemlich angesagt ist, gibt es mittlerweile nicht nur verschiedene Drinks und Pülverchen, die beim Reinigen behilflich sind, sondern auch Masken, Cremes und allerlei andere Produkte. Was davon wirklich hilfreich ist, kann und soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden.

Kommen wir stattdessen zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrags: Der digital Detox. Die Reinigung von Körper und Geist ist hierbei eher im übertragenen Sinne zu verstehen. Wie beim Fasten geht es auch beim Digital Detox darum, auf etwas zu verzichten. Anstatt jedoch Süßigkeiten, Alkohol, Fetten und Co. abzudanken, sind das Smartphone und andere technische Geräte wie Laptop und Tablet für eine bestimmte Zeit Tabu.

Phasen, die bei Digital Detox durchlaufen werden (können)

Selbstverständlich reagiert jeder anders auf einen Digital Detox. Fakt ist jedoch: Die Zeit ohne Smartphone geht an kaum jemandem spurlos vorbei. Und so kommt es, dass Sie während Ihrer Abstinenz verschiedene Phasen durchlaufen (können). (Anmerkung: Die Reihenfolge der einzelnen Phasen ist bei jedem anders und daher keinesfalls festgelegt. Außerdem handelt es sich bei den Bezeichnungen um keine Fachbegriffe aus der Psychologie, Soziologie oder einem ähnlichen Wissenschaftsbereich.)

  • Die Phase der Begeisterung: Für viele startet der Digital Detox mit einem ersten Gefühl der Begeisterung. Die Situation ist noch neu und spannend und sorgt demzufolge für gute Stimmung.
  • Die Phase des Verlustes: Nach dem ersten Hoch folgt meist sofort das erste Tief. Nun wird klar: Man muss auf etwas verzichten. Ein Gefühl von Unvollständigkeit macht sich breit und trübt die eingangs gute Stimmung.
  • Die Phase der Nervosität: Diese Phase ist in der Regel besonders intensiv. Sie ist geprägt von der Angst, etwas zu verpassen und ohne Smartphone (auf welche Weise auch immer) zu versagen.
  • Die Phase der Entspannung: Wurde die Situation akzeptiert, macht sich meist Entspannung breit. Nun können Sie den Digital Detox genießen und beobachten, was er mit Ihnen macht. Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung spielen hierbei wichtige Rollen.
  • Die Phase der Motivation: Entspannung und Akzeptanz können überaus motivierend wirken und Ihnen dabei behilflich sein, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen. Nutzen diese Phase unbedingt aktiv.
  • Die Phase des Einbruchs: Egal wie gut ein Digital Detox läuft, früher oder später kommt immer der Moment, in dem man den Versuch abbrechen will. Nun heißt es: Stark bleiben und durchhalten.
  • Die Phase des Durchhaltens: Wenn die Phase des Einbruchs einmal überwunden wurde, ist es meist viel leichter, durchzuhalten. Die Entschlossenheit, es „den anderen zu zeigen“ und manchmal auch ein bisschen  Trotz sorgen dann dafür, dass der Digital Detox zum Erfolg wird.

Wozu das Ganze?

Der digitale Detox kann viele verschiedene Beweggründe haben. Welcher Sie am ehesten motiviert, es auch auszuprobieren, müssen Sie selbst herausfinden. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass der Verzicht auf den „digitalen Konsum“ eine extrem befreiende Wirkung hat. Wer nicht ständig Benachrichtigungen auf dem Smartphone checkt und sein Mittagessen auf Instagram postet, wird schon nach kurzer Zeit feststellen, wie lösend so ein digital Detox sein kann.

Eng damit verbunden ist die Erkenntnis, dass es auch durchaus ohne Smartphone, Tablet und Co. funktionieren kann – immerhin ging es früher ja auch. Wer nicht ständig aufs Display starrt, wird seine Umwelt schlagartig anders und viel intensiver wahrnehmen. Ein digital Detox hilft Ihnen dabei, im Hin und Jetzt zu leben und jeden Moment bewusst zu genießen anstatt darüber nachzudenken, wie Sie ihn am besten konservieren können.

Nicht zu verachten ist außerdem der Zeit-Aspekt. Die bewusste Smartphone-Abstinenz wird augenblicklich dafür sorgen, dass Sie viel mehr Zeit für andere Dinge haben. Nutzen Sie diese sinnvoll – beispielsweise um wieder einmal ein gutes Buch in die Hand zu nehmen, Ihre Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen oder um die nächste Reise zu planen.

Sie sehen: Es gibt viele gute Gründe, die für einen digitalen Detox sprechen. Doch wie kann dieses Projekt konkret in die Tat umgesetzt werden?

So klappt der digitale Detox

Wer dem (geliebten) Smartphone für eine Weile abdanken will, sollte dieses Vorhaben auf jeden Fall gut vorbereiten. „Einfach mal so einen Digital Detox machen“ funktioniert in den seltensten Fällen. Ehe die Abstinenz beginnt, sollten Sie sich einmal bewusst vor Augen führen, wofür genau Sie Ihr Smartphone nutzen. Fertigen Sie eine Liste mit allen Aktivitäten an und bewerten Sie anschließend, welche davon wirklich wichtig und welche im Grunde genommen pure Zeitverschwendung sind. Sie können sicherlich schon ahnen, in welcher Kategorie es hinterher mehr Smartphone-Aktivitäten geben wird. Diese Übung hilft Ihnen dabei, zu erkennen, wie sinnvoll oder auch sinnlos Ihr digitaler Konsum ist und kann eine gute Motivation für den anstehenden Detox sein.

Im nächsten Schritt gilt es, Alternativen für die wirklich wichtigen Aktivitäten zu finden. Rüsten Sie sich beispielsweise mit einem klassischen Handy aus, um zu telefonieren und SMS zu verschicken. Ein Wecker sorgt dafür, dass Sie den Tag pünktlich beginnen und eine Armbanduhr verrät Ihnen unterwegs nicht nur die Zeit, sondern kann auch sehr hübsch aussehen.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die kaum noch ohne Smartphone leben können, sollten Sie den digitalen Detox schrittweise umsetzen. Es bringt nicht viel, wenn Sie sich von jetzt auf gleich zum kompletten Verzicht zwingen. Viel effektiver ist es, wenn Sie das Smartphone jeden Tag länger beiseite legen, bis Sie irgendwann komplett darauf verzichten können. Was hierbei extrem hilfreich ist, sind feste Zeiten, zu denen Sie es sich erlauben, Ihre Social Media-Kanäle, Emails und andere Informationen zu checken.

App-Tipp: Forest

Eine App, die beim Digital Detox hilft? Zugegeben, das klingt irgendwie widersprüchlich. Doch es funktioniert! Mithilfe der Anwendung Forest pflanzen Sie einen virtuellen Baum, der in einem von Ihnen festgelegten Zeitraum wächst. Greifen Sie in dieser Zeit zum Smartphone, stirbt der Baum ab. Halten Sie die Abstinenz jedoch durch, entsteht nach und nach ein üppiger Wald, der Ihnen vor Augen führt, dass es auch ohne Handy funktionieren kann.

Ein letzter, überaus hilfreicher Praxis-Tipp ist dieser: Planen Sie ein konkretes Projekt oder Vorhaben für die Zeit des digitalen Detox. Immer dann, wenn Sie den Drang verspüren, zum Smartphone zu greifen, sollten Sie sofort eine Alternative parat haben – beispielsweise ein Buch, ein Musikinstrument, eine Näharbeit… was auch immer Ihnen das Gefühl gibt, beschäftigt zu sein. Auf diese Weise können Sie den „Entzugserscheinungen“ am wirkungsvollsten den Kampf ansagen. Wer hingegen nur da sitzt und Däumchen dreht, wird den Digital Detox mit großer Wahrscheinlichkeit vorzeitig abbrechen.

Das Sabbatjahr als ideale Gelegenheit für einen Digital Detox

Im alltäglichen Leben fällt es leider häufig schwer, auf das Smartphone zu verzichten. Für viele ist es ein stetiger Begleiter, der auch im Beruf eine zentrale Rolle spielt. Wenn Sie dennoch einmal einen Digital Detox ausprobieren wollen, können Sie beispielsweise Ihr Sabbatjahr als Anlass nehmen. Dieses bietet nämlich hervorragende Bedingungen für eine handyfreie Zeit:

  • kein Zwang, ständig erreichbar sein zu müssen
  • keine beruflichen und nur wenige private Verpflichtungen
  • Zeit für andere (spannende) Dinge
  • Möglichkeit, das Smartphone einfach mal auszuschalten
  • zahlreiche Ablenkungen, die den Verzicht leichter machen

Egal was Sie im Rahmen von Ihrem Sabbatjahr vorhaben – sei es nun eine Reise, die Realisierung eines persönlichen Projektes oder auch soziales Engagement – ein Digital Detox kann Ihnen dabei helfen, die bevorstehenden Erlebnisse noch viel bewusster wahrzunehmen und zu genießen. Natürlich müssen Sie nicht die ganze Zeit über auf das Smartphone verzichten. Wer es jedoch hin und wieder für eine Weile beiseite legt, wird es garantiert nicht bereuen.

 

1 Kommentar zu „Digitaler Detox: Der bewusste Verzicht aufs Smartphone“

  1. Klasse Artikel zum Thema digitales Detoxing, insbesondere der Tipp mit der App ist hilfreich!

    Neben dem Verzicht auf Digitale Gadgets kann man auch etwas für den Körper tun, durch bewusste Ernährung und viel Flüssigkeit im Rahmen einer Detoxkur. Viele Infos dazu auch hier: https://detoxkur.org

    Viel Erfolg beim digitalen (und evtl auch körperlichen) Detoxing 😉

    Sarah

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